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Das Projekt 'Ofen'

Den Anfang nahm der Wunsch meines Vaters zu Hause einen stationären Ofen haben zu wollen, zusätzlich zum normalen Würstchengrill. Fasziniert von dem Gedanken das Teil selbst zu bauen haben wir beide uns bemüht einen möglichst funktionsfähigen Ofen zu designen und bauen. Das Endergebnis könnt ihr hier sehen. Vorher jedoch ein paar Bemerkungen:
Erwähnen möchte ich diese Seite, die eine kleine Inspiration zu unserem Vorhaben war. Außerdem möchte ich noch hinzufügen, dass wir eine Zwitterkonstruktion bauen wollten, die die Vorteile eine Backofens mit denen eines Grills vereint. Deshalb auch die Höhe der Brennkammer. ;)

Füße des Ofens

Das Fundament, die Füße und die Bodenplatte

Der Beginn war ein Streifenfundament, welches man auf dem Bild bereits nicht mehr sehen kann. Circa 40cm tief in der Erde aus Beton, worauf dann die Granitsteine zementiert worden. Nächster Schritt war das Gießen der Bodenplatte, wofür wir uns einiges einfallen lassen mussten. Heraus kam diese interessante Konstruktion. Ausgekleidet haben wir den Boden dann mit Folie. Die Bodenplatte haben wir circa 9-10cm dick gegoßen, wobei die oberen 2cm feuerfester Beton vom Ofenbauer war.

Bodenplattenkonstruktion

Folie unter dem Beton

Bodenplatte

Ofenaufbau
Nachdem die Bodenplatte mindestens 24h ausgetrocknet war, haben wir die Holzkonstruktion abgebaut und die Platte noch ein paar Tage weiter ruhen lassen. Es hat etwas gedauert, bevor sie ausgetrocknet war.
Danach haben wir angefangen den Ofenraum selbst zu mauern. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, haben wir die Ofenmauern exakt über den Füßen gemauert, um eine erhöhte Standfestigkeit zu erreichen. Die Bodenplatte haben wir überstehen lassen, um später die Aussteine und die Dämmung noch unterzubringen. Die Ziegeln sind gebrannt und als Mörtel ist unbedingt feuerfester Mörtel zu empfehlen (bekommt man beim Ofenbauer). Auf dem Bild ist auch schon der Schamott im Ofenraum zu erkennen (5cm hoch). Zusammen mit der Platte und dem Mörtel hat man also eine circa 8cm dicke feuerfeste Schicht. Selbst bei circa 400°C im Ofenraum kann man die Bodenplatte von unten noch berühren.
Ein größeres Problem hat uns der Bogen bereitet, da wir keine richtige Vorgehensweise und auch kein großes Stück Styropor hatten und nicht kaufen wollten. Aber was lag noch vorm Haus herum? Ja, Sand! Also habe ich einfach naßen Sand auf einer Holzplatte modelliert, der als Standbein für den Steinbogen herhalten musste. 1 Tag Modellierung, wonach ich das Handtuch warf, weil es so fitzelig war, folgte 1 Tag mauern (danke Paps für deine Mauergeduld). Danach waren wir froh, dass wir dieses Kapitel abgeschlossen hatten. Im Nachhinein muss ich auch sagen, dass wir hier die meiste Geduld brauchten und es auch mehrere Wochen gedauert hat, bis wir weiter gemacht haben, weil wir einfach keine Lust dazu hatten.

Bogenkonstruktion

Bogenkonstruktion mit Stütze

Mauern der Vorlage

Ofen von vorn
Also wie schon erwähnt hat sich mein Paps um den Bogen gekümmert. Da alles mit Sand vormodelliert war, war es nur noch kniffelig, aber nicht mehr wirklich schwierig. Auf dem Sand eine Folie, damit der Sand nicht zu schnell das Wasser aus dem Beton saugt.

Dies war besonderer feuerfester Beton vom Ofenbauer. Es war auch anderer Beton als für die Bodenplatte, welcher eher dem normalen Beton gliech, da er auch mit diesem gut abbinden musste. Aber der Beton für die Mantelkonstruktion war 1. schweineteuer, 2. aus Österreich, 3. nicht im Supermarkt erhältlich und außerdem noch super anspruchsvoll. Er wird mit nur ein paar Litern Wasser angemacht. Wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass die Wasserqualität eine Rolle spielt. Nimmt man bei normalem Beton ruhig Regenwasser musste es hier Leitungswasser sein. Auch war der Beton dann eher eine Art trockene Masse anstatt flüssiger Beton (kann man gut auf den Bildern erkennen).

Mein Vater kümmerte sich also um den Bogen und ich formte mit der Hand eine circa 8cm dicke feuerfeste Betonmantelung. Da der Beton außerdem schnell abbindete mussten wir uns also noch beeilen und zusätzlich Sonnenschirme aufstellen, weil es knapp über der Verarbeitungstemperatur von circa 20°C war. Zusätzlich haben wir einen Plastikeimer benutzt und eingemauert für die spätere Ofenrohröffnung. Weil wir noch Zeit hatten, haben wir außerdem die erste Verkleidungsmauer aus normalem Gasbeton gesetzt.

Fertige Mantelung mit Eimer

Seiteneinkleidung
Wir haben circa 1-2 Tage abgewartet bis der Beton ausgetrocknet ist, bevor wir den Sand aus dem Innenraum geschaufelt hatten. Ich hatte erst meine Bedenken, dass etwas von mir geschaffenes stehen bleibt, aber es klappte ;). Der Sand kam raus und der Ofen hielt stand. Nur ein Problem hatten wir: der Eimer war so fest, dass wir Hammer und Meißel brauchten um ihn frei zu bekommen.

Mit dem Sand aus dem Weg konnten wir endlich testen, was der Ofen so hergibt. Aber Achtung, Sonderbeton --> Sonderheizanleitung. Der Beton muss besonders erhitzt werden. Tja, nichts leichter als das! Ähäm.. schön wäre es ;). Anheizdauer = 24h. Heizanstieg: pro Stunde erst 10°, nach hinten hin immer mehr. Also Thermometer in den dafür vorgesehenen Abluftschaft und kleines Feuer an. Es war heiß, aber es ging. Das Feuer hielten wir am Brennen und steigerten es ungefähr mit der Zeit. In der Zwischenzeit haben wir uns um die Verkleidung gekümmert und beobachtet, wie der Mantel langsam wärmer wurde.

Ofen ohne Sand

Start der Befeuerung

Hohe Verkleidung

Wärmeschutz
Von oben schien die Sonne, von unten drückte der Ofen. Wir waren erstaunt mit wie wenig Feuer der Ofen welche Temperatur hielt. Ein durchschnittliches Feuer hielt den Ofen konstant auf knapp 200°C. Da wir aber noch rundherum bauen wollten haben wir kurzerhand ein Blech davor gespannt, um die Abstrahlungswärme etwas drin zu behalten. Wie man auch erkennen kann haben wir das komplette Ofenrohr aufgesetzt um die Abluft weit über uns raus zu lassen. So feuerten wir noch die ganze Nacht und kamen nach circa 17h bei der Maximaltemperatur des Thermometers an. Wie heiß es letztendlich war können wir nicht sagen, aber heißer als 500°C. Auf dieser Stufe hielten wir den Ofen für 1-2h und machten uns schon 2 Pizzas und gingen dann ins Bett und ließen ihn ausglühen.

Dämmung

Dachstuhlprobe
In diesem Status verblieb der Ofen einige Tage und wurde durch eine Plane vom Regen geschützt. Wir mussten Holz für den Dachstuhl besorgen und Wochen später kam es dann auch zum Richtfest. Wie man unschwer erkennen kann ist der komplette Innenraum mit feuerfester Dämmwolle ausgekleidet um den Ofen perfekt zu isolieren, die Wärme drin, die Kälte draußen ;).
Was vielleicht etwas komisch aus sieht ist, dass wir die Esse nach dem Dachstuhl gemauert haben. Dies scheint unnötig kompliziert, hatte aber seinen Grund: es war eine regnerische Zeit und wir wollten den Ofen mit einem Dach vor Wasser geschützt haben. Außerdem konnten wir so das Dach komplett mit Holz verkleiden und später 'einfach' nur ein Loch bohren (okay, etwas komplizierter war es schon).

Danach dann Steine gekauft und gemauert. Hier waren wir uns erst unsicher, ob wir wieder alles feuerfest brauchen, da die Temperatur mit Abstand vom Feuerraum rapide absinkt. Also Luft zwischen Ofenrohr und Steinen und gebrannte Ziegel mit normalen Mörtel und es hält immer noch.

Seitenansicht

Seitenansicht 2

Esse von oben

Ofen in Betrieb
Inzwischen hat der Ofen ein Schindeldach mit Zierleisten und die Seiten sind auch verkleidet. Was leider immer noch fehlt ist die Tür vom Schmied, um ins komplette Backvergnügen zu gelangen. Auch sieht man hier noch nicht das Edelstahlrost zum Grillen, welches man im Ofenraum anbringen kann. So existiert der Ofen nun schon seit circa einem Jahr und steht immer noch.

Ofen mit Tür

Lecker Pizza ;)
Update September 2009: Seit Monaten ist auch die Tür vom Schmied fertig und montiert. Im Innenraum haben wir noch etwas ausgekleidet, damit auch das Grillrost im Ofen benutzt werden kann. Wir haben die Außenwände noch verputzt und zur optischen Aufbesserung noch Fließen angebracht. Nun fehlen nur noch Kleinigkeiten hier und da, die kaum mehr erwähnenswert sind. Ein letztes Bild mit Putz und Fließen existiert bisher noch nicht, wird aber nachgereicht ;).

... abschließende Worte

Inzwischen fehlt dem Ofen also lediglich noch eine Tür. Er hat sich schon zum Pizza oder andere Dinge für den Steinbackofen backen bewährt. Auch andere Kleinigkeiten haben bisher ganz gut funktioniert. Mit der Tür vom Schmied sind wir dann auch in der Lage richtig zu backen und freuen uns schon drauf.

Natürlich lernt man auch Dinge, die man hätte anders machen können. Zum Beispiel das Abluftrohr hätten wir etwas größer konzeptionieren sollen, denn bei extremer Rauchentwicklung wird es knapp mit der Abfuhr. Aber hey, dafür ist dieses Häuschen ziemlich fesh geworden. Ich hoffe ihr habt viel Spaß beim eventuellen Nachbau.